In Zeiten des Artensterbens kommt man an einem Thema nicht mehr vorbei: Der Rolle großer Pflanzenfresser in heimischen Ökosystemen. Das von Sebastian Brackhane und Klaus Hackländer herausgegebene Werk liefert hierzu eine fundierte und breit angelegte Zusammenstellung aus naturschutzfachlicher, wildbiologischer und geschichtlicher Perspektive in klarer, verständlicher Sprache.
Die 480 Seiten umfassende Publikation vereint Beiträge von 60 Autorinnen und Autoren aus mehreren Fachrichtungen, darunter Wildbiologie, Naturschutz, Forstwissenschaft, Landschaftsökologie und Umweltgeschichte. Durch diesen interdisziplinären Ansatz wird das komplexe Zusammenspiel von Großherbivoren, Vegetation, Biodiversität und menschlicher Landnutzung übersichtlich dargestellt.
In fünf übersichtlich gegliederten Themenkomplexen – »Arten«, »Ökologie«, »Wildtiermanagement«, »Naturschutz« und »Beispiele aus der Praxis« – werden Aspekte von den Grundlagen bis zur praktischen Umsetzung beleuchtet. Das Buch zeigt auf, wie große Pflanzenfresser – darunter Elch, Rothirsch, Wisent, Auerochse und Pferd – Landschaften nicht nur in der Vergangenheit geprägt haben, sondern auch heute noch entscheidende Impulse für zahlreiche Arten liefern können, die sich im Laufe der Evolution an deren Wirken angepasst haben. Zahlreiche, darunter auch bedrohte Arten profitieren nachweislich von (halb-)offenen Weidelandschaften, die durch die Aktivität großer Pflanzenfresser entstehen und gestaltet werden – ein Punkt, der in der Naturschutzpraxis oft vernachlässigt oder gar falsch dargestellt wird. Eindrucksvolle Illustrationen und Fotos sowie gut aufbereitete Forschungsergebnisse machen die ökologischen Zusammenhänge nachvollziehbar und unterstreichen die Argumentation des Buches.
Statt sich in Theorie zu verlieren, betonen die Beiträge immer wieder die Bedeutung praktischer Umsetzung: Wilde Weidetiere als gestaltende Kräfte im Offenland und Wald können einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten. Die Effekte solcher Maßnahmen müssen im Gelände beobachtet, gemessen und verstanden werden – auch im Hinblick auf natürliche Prozesse wie Kadaverökologie, Sukzession und Bodenentwicklung.
Fazit: Dieses Buch sollte zur Standardlektüre von Studierenden und Fachleuten in den Bereichen Naturschutz, Forstwirtschaft, Wildökologie und Landschaftsplanung gehören. Zugleich bietet es auch für interessierte Laien wertvolle Einblicke. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden mit langjähriger Praxiserfahrung verknüpft und ein umfassender Überblick zum aktuellen Wissensstand geboten. Das Buch regt dazu an, ganzheitlich und ökosystemisch zu denken – vom Pflanzenwachstum bis zum Tod großer Tiere – und zeigt überzeugend, dass ein Umdenken im Artenschutz nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist. Wer ökologische Zusammenhänge wirklich begreifen will, findet hier eine praxisnahe Grundlage.
Sebastian Brackhane, Klaus Hackländer (Hrsg.):
Die Rückkehr der großen Pflanzenfresser – Konfliktfeld oder Chance für den Artenschutz?
Verlag: oekom verlag GmbH, München 2025
480 Seiten, Hardcover
ISBN: 9783987260315
Sprache: Deutsch
Abmessungen: 16.8 x 3.3 x 23.6 cm
Preis: 39,00 €
Eine Rezension von:
Alisa Klamm,
Vereinsmitglied Naturnahe Weidelandschaften e. V.